Struffelt Heide - Naturschutzgebiet

Roetgen

Das Naturschutzgebiet Struffelt südlich von Roetgen-Rott wirkt auf den ersten Blick still und zurückhaltend, entfaltet jedoch bei genauerem Hinsehen eine erstaunliche Tiefe. Auf rund 118 Hektar erhebt sich auf der Bergkuppe eine offene Heidelandschaft aus dem umgebenden Waldmeer – ein Landschaftsbild, das nicht natürlich „entstanden“, sondern Ergebnis jahrhundertelanger menschlicher Nutzung ist. Niederwaldwirtschaft und Waldweide haben hier eine Offenlandschaft geprägt, die heute zu den wertvollsten Lebensräumen der Nordeifel zählt.

Die Struffeltheide ist ein Mosaik unterschiedlicher Standortbedingungen. In den feuchten Bereichen, dort wo der lehmige, wasserstauende Untergrund regelmäßig Nässe hält, dominiert die Glockenheide (Erica tetralix). Ihre zarten, rosafarbenen Blüten sind ein stiller Hinweis auf die moorigen Qualitäten dieses Ortes. In den trockeneren Partien hingegen prägt die Gemeine Besenheide (Calluna vulgaris) das Bild – robust, genügsam und doch ökologisch hoch spezialisiert. Diese feinen Unterschiede machen den Struffelt zu einem Hotspot der Biodiversität und zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wie eng Landschaftsgeschichte und Artenvielfalt miteinander verwoben sind.

Als die traditionelle Nutzung im 20. Jahrhundert weitgehend aufgegeben wurde, begann sich die Landschaft zu schließen. Adlerfarn breitete sich aus, Gehölze nahmen überhand, lichtliebende Arten verloren ihren Lebensraum. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde 2003 unter Federführung der Biologischen Station – in enger Abstimmung mit dem Forstamt Hürtgenwald, der Unteren Naturschutzbehörde der StädteRegion Aachen, dem Heimat- und Eifelverein Rott sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren – ein Pflegekonzept entwickelt. Ziel war es, den offenen Charakter der Heide nicht nur zu bewahren, sondern gezielt weiterzuentwickeln.

Ein zentrales Element dieses Konzepts ist die Beweidung mit Schafen, die die historische Waldweide nachahmt. Ergänzend kamen in Teilbereichen klassische Pflegemaßnahmen wie Knüppeln, Mulchen oder Abplaggen zum Einsatz, um die Heidegesellschaften zu regenerieren. Der Erfolg dieser langfristig angelegten Arbeit ist heute deutlich sichtbar: Wo früher der Adlerfarn dominierte, breiten sich inzwischen wieder typische, teils gefährdete Pflanzenarten der Heide- und Moorlandschaft aus. Dauerquadrate – fest definierte Untersuchungsflächen – ermöglichen es, diese Entwicklung wissenschaftlich zu begleiten und die Wirkung der Maßnahmen kontinuierlich zu überprüfen.

Auch die Vogelwelt reagiert sensibel auf die veränderten Habitatbedingungen. Die offenen Heideflächen mit lockerem Baumbestand sind ideale Brutgebiete für den Baumpieper (Anthus trivialis) und das Schwarzkehlchen (Saxicola torquata), deren Bestände 2020 ihren bisherigen Höchststand seit Beginn der Erfassungen im Jahr 2004 erreichten. Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr des Ziegenmelkers: Nach jahrzehntelanger Abwesenheit fand diese spezialisierte Art im Jahr 2020 wieder geeignete Lebensräume am Struffelt – ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass konsequente Pflege und Geduld im Naturschutz Wirkung zeigen.

Wer heute über die offenen Heideflächen des Struffelts geht, erlebt keine inszenierte Naturlandschaft, sondern einen sensibel austarierten Kulturraum, der zeigt, wie historisches Wissen, ökologische Fachkenntnis und langfristiges Engagement zusammenwirken können. Weiterführende Informationen zur Entwicklung der Fläche bietet unter anderem eine Fachveröffentlichung in „Natur in NRW“ aus dem Jahr 2016, die die bisherigen Ergebnisse der Pflege eindrucksvoll dokumentiert.

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