Kylltal
Hellenthal
Das Tal der Kyll ist ein stilles, zugleich vielschichtiges Rückgrat der Eifel – ein Landschaftsraum, der sich nicht aufdrängt, sondern mit jedem Schritt, jedem Blick entlang des Wassers Tiefe entfaltet. Die Kyll entspringt unscheinbar auf rund 660 Metern Höhe am Losheimer Graben in der Kalkeifel, dort, wo feuchte Wiesen, Basaltböden und kühle Waldluft den Charakter der Region prägen. Von hier aus beginnt ihr etwa 130 Kilometer langer Weg nach Süden, durch die Vulkaneifel und die Prümer Kalkmulde, vorbei an Gerolstein, Kyllburg und Bitburg, bis sie bei Trier-Ehrang ruhig und selbstverständlich in die Mosel mündet.
Was das Kylltal auszeichnet, ist sein Wechselspiel aus Naturgeschichte und Kulturlandschaft. Der Fluss hat sich über Jahrtausende tief in die Gesteinsschichten eingegraben, durchschneidet Dolomit, Kalk und vulkanische Ablagerungen und formt dabei ein schmales, stellenweise fast schluchtartiges Tal, das immer wieder von weiten Auen, Felsnasen und bewaldeten Hängen geöffnet wird. Entlang der Kyll liegen Eisenbahntrassen des 19. Jahrhunderts, römische Siedlungsspuren, mittelalterliche Burgen und kleine Orte, deren Rhythmus bis heute vom Wasser bestimmt wird.
Charakteristisch ist die ruhige, lineare Führung des Tals: kein dramatisches Spektakel, sondern ein kontinuierliches Unterwegssein, das Raum für Wahrnehmung lässt. Die Kyll ist der längste Fluss der Eifel und auch für den Süden der Eifel der wasserreichste Fluss. Sie ist Lebensraum für Forellen, Wasseramseln und Eisvögel und begleitet Wandernde wie Radfahrende mit einem gleichmäßigen, fast meditativ wirkenden Flusslauf. Wer dem Tal folgt, erlebt die Eifel in einer ihrer ehrlichsten Formen – geologisch geprägt, historisch gewachsen und bis heute erstaunlich unverstellt.