Am Bahnhof Raeren sind noch die Schienen der Vennbahn zu sehen., © vennbahn.eu

Die Geschichte der Vennbahn

Heute ein Radweg, früher die Bahnverbindung zwischen den Kohlerevieren um Aachen und dem Norden Luxemburg – die Geschichte der Vennbahn ist wohl einzigartig.

Inhalte teilen:

125 Kilometer voller Geschichte: Die Vennbahn

Heute ein Bahntrassen-Radweg, früher die Bahnverbindung zwischen den Kohlerevieren um Aachen und dem Norden Luxemburgs – die Geschichte der Vennbahn ist wohl einzigartig und spielt mitten in Europa, verbindet bis heute drei Länder und beinhaltet, bedingt durch die Kriegszeiten, einiges an Tragik aber auch Kuriositäten.

Kaiser Wilhelm I. legte den Grundstein für die Strecke und 1889 nahm die Vennbahn ihren Betrieb zwischen Aachen-Rothe-Erde und dem luxemburgischen Troisvierges (ehemals Ulfingen) auf. Es war eine industrielle Erfolgsstory, voll beladene Güterzüge verkehrten in beide Richtungen und die Vennbahn erschloss die strukturschwachen Wirtschaftsräume von Westeifel und Hohem Venn.

Durch ihre Grenzlage kam der Vennbahn während beider Weltkriege eine hohe strategische Bedeutung zu: Im Ersten Weltkrieg diente sie dem Nachschub an die Westfront und wurde sogar zur Kernlinie eines ganzen Netzes von strategischen Bahnen während des Krieges. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Zweiten Weltkrieg, denn der Westwall, ein über 630 Kilometer verteiltes militärisches Verteidigungssystems entlang der Grenze des deutschen Reiches, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke. 

Wirtschaftlich verlor die Bahnlinie schon mit Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung und auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es keinen Aufschwung der Bahn - die letzten Güterzüge fuhren bis zu Beginn der 1980er Jahren. Danach wurde die Vennbahn für ein paar Jahre zur Museumsbahn, die in den 1990er Jahren in den Sommermonaten verkehrte. Doch für die notwendig gewordene Sanierung der Gleise war nicht genügend Geld da und das Aus der Vennbahn als Eisenbahnstrecke wurde beschlossen.

Die Zukunft als Radweg

Doch die geringe Steigung - rund zwei Prozent - eröffnete der Vennbahnstrecke eine neue Nutzung: Als länderübergreifender Radweg. Gleise wurden entfernt, die Strecke wurde asphaltiert und es durfte fortan geradelt werden. Die Zeugen der wechselvollen Geschichte der Vennbahn sind weiterhin sichtbar: Stillgelegte Bahngleise, nicht mehr benötigte Signalanlagen, ehemalige Bahnhöfe und ein Geschichtsmuseum erzählen von der bewegten Historie der Bahnstrecke. 

Kuriose Grenzen

Bei der Radtour durch die Eifel, Belgien und Luxemburg werden Grenzen überschritten, nicht konditionell, denn die Strecke ist leicht zu befahren. Doch während die Radler unterwegs sind, wechseln sie - meist unbemerkt - zwischen Belgien und Deutschland hin und her. 1815 waren die Gebiete um St. Vith, Malmedy und Eupen an das Königreich Preußen gefallen und 1871 in das Deutsche Kaiserreich übergegangen. Doch nach dem Ersten Weltkrieg änderten sich die Grenzen aufgrund des Versailler Vertrags und die Gebiete gingen 1920 wieder in belgisches Hoheitsgebiet zurück. Es entstanden hier wie dort Enklaven und für die heutige Zeit bedeutet es an manchen Stellen auf dem Vennbahnradweg, dass der eigentliche Radweg belgisches Staatsgebiet ist, rechts und links des Weges der Blick jedoch auf deutsches Staatsgebiet fällt. Ein Kuriosum, wie es wohl selten in der Welt zu finden ist.

Eine Pause im Kaffeefee verdeutlicht dies: Das Café am Vennbahnradweg befindet sich im belgischen Raeren, ist umgeben vom deutschen Roetgen und wird geführt von einem deutschen Inhaber – Strom und Wasser bezieht er aus Deutschland, verwaltungstechnisch sind jedoch die belgischen Behörden zuständig. Cafébesitzer Norbert Siebert nimmt es gelassen und für die Radler ist es ein besonderes Erlebnis, förmlich grenzenlos unterwegs zu sein.