St. Arnulf Kirche, Nickenich

Nickenich

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Römische Legionäre und Kaufleute haben die erste Kunde von der christlichen Religion in unsere Heimat gebracht. Nur langsam faßte das Christentum Boden, denn zäh hingen die Einwohner am heidnischen Götterglauben. Zwar bestand schont uns das Jahr 300 in Trier, der damaligen Kaiserresidenz, eine Christengemeinde, und im 4. Jahrhundert kündeten an der Mosel und auf dem Maifelde die heiligen Kastor und Lubens die Heilslehre. Doch von einer allgemeinen Ausbreitung des Christentums kann man erst zur Zeit der Franken reden, die im 6. Jahrhundert, dem Beispiele ihres Königs Chlodwig folgend, zur neuen Religion übertraten. Im 7. Jahrhundert entstanden in unserer Gegend bereits die ersten Pfarrkirchen, zumeist von den merowingisdsen Königen den ältesten Klöstern gestiftet. Davon sind vorzüglich zu nennen Pfarrkirchen in Andernach. Münstermaifeld, Nachtsheim, Ochtendung Polch und Rübenach. Diese Kirchen waren Mittelpunkte sogenannter Großpfarreien. die mehrere Orte umfaßten. In den folgenden Jahrhunderten zeigte sich der grundherrliche Adel als besonderen Förderer des Kirchenbaues, indem er auf seinem freieigenen Grund und Boden sogenannte Eigenkirchen errichtete. Aus dem Eigenkirchenrechte, das dem Grundherrn volles Verfügungsrecht über die Kirche gab, leitet sich das Patronantsrecht her, das Recht, die Pfarrstelle zu besetzen und gegen Besoldung des Geistlichen die Pfarreinkünfte an sich zu nehmen. Eigenkirchen sind auf dem Maifelde häufig gewesen, ohne Zweifel geht auch die Pfarrkirche von Nickenich auf eine solche zurück.

Wann und von wem ist nun die Pfarrkirche zu Nickenich gestiftet worden? Mit unbedingter Sicherheit lassen sich die Fragen nicht beantworten, wohl aber können wir darüber große Wahrscheinlichkeit erzielen. Die Kirche ("ecclesia") zu Nickenich in erstmalig in einer Urkunde des Paptes Alexander II vom 5. Mai 1069 erwähnt. Aus dieser erfahren wir, daß der Bischof Udo von Toul, dessen Familie einst in Nickenich ansässig bzw. begütert war, dem Kloster St. Salvator zu Toul vor diesem Jahre "ein Viertel der dem hl. Maximin geweihten Kirche zu Nickenich (Nehtenis)" und ein freieigenes Grundstucks von 14 Hufen (etwa 400 Morgen), "so wie er das alles von Vater oder Mutter ererbt" habe, geschenkt hat. Daraus ergibt sich, daß bereits Udos Eltern im Besitze von nur einem Viertel der Nickenicher Kirche waren, das Patronansrecht also schon unter mehrere Personen geteilt war. Da nun das Patronatsrecht aber, wie oben gesagt, eine sekundäre Erscheinung ist und sich etwa so entwickelt hat, daß von dem ursprünglich in der Hand des Eigenkirchenherrn ruhenden Besitzrechte einzelne Teile durch Vererbung oder Schenkung in den Besitz anderer Personen gelangt sind, so dürfen wir mit Rechte annehmen, daß die Gründung der Nickenicher Pfarrkirche als Eigenkirche bereits im 10., wenn nicht schon im 9. Jahrhundert erfolgt ist. Bezüglich der Person des Gründers können wir nur sagen, daß er einem Adelsgeschlechte der Gegend angehörte, das mit Udos Familie verwandt war.

Wie lange das Kloster St. Salvator zu Toul im Besitze des Patronatsrechtsanteils geblieben ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Sehr wahrscheinlich haben die Mönche noch im 13. Jahrhundert ihren Teil an den Trierischen Erzbischof abgetreten. Der Erzbischof Boëmund erwarb 1295 auch den Kirchenanteil der Ritter Meinfelder von Nickenich, und im Jahre 1335 wußte Erzbischof Balduin endlich den Ritter Wilhelm von Dadenberg zum Verzicht auf seine Rechte zu bewegen, so daß also der erzbischöfliche Stuhl von Trier freier Besitzer der Pfarrkirche zu Nickenich wurde. Der damalige Trierische Erzbischof Balduin (1307-54), der Bruder des deutschen Kaisers Heinrich VII. von Luxemburg, schenkte 1335 die Kirche dem Karthäuserkloster St. Alban bei Trier, das der große Kirchenfürst besonders liebte (Inkorporation). Diese Inkorporation der Pfarrei wurde am 29. November 1387 von Papst Urban VI bestätigt und der Abt Rorich von St. Maximin zu Trier mit der Ausführung derselben betraut, der den Auftrag am 28. Januar 1388 ausführte. Seit der Zeit ist die Karthause im Besitze der Pfarrkirche geblieben bis zur Säkularisation (1802).

Filiale von Nickenich blieb lange Jahrhunderte hindurch die um 1350 erstmalig als solche bezeichnete Kapelle Wassenach. Wassenach wurde erst 1844 selbständige Pfarrei, obwohl die dortige Kirche schon 1736 Pfarrcharakter besaß, da Osterkommunion dort gehalten wurde und auch schon ein Sendschöffenkollegium daselbst bestand. Von der Franzosenzeit an war auch Eich eine Zeit lang Filiale von Nickenich. Als Vikarie bestand es schon im 11. Jahrhundert, 1353 erscheint es als Pfarrei. Durch königliche Kabinettsorder vom 28. Juli 1836 wurde es als Pfarrei wiederhergestellt.

Innerhalb der Pellenz war Nickenich die erste selbständige Pfarrei. Verwaltungsrechtlich gehörte es zu dem großen Landdekanat Ochtendung, das um 1800 77 Pfarreien umfaßte. Mehrere Nickenicher Pfarrer waren Dechanten dieses Kapitels, nämlich Pfarrer Matthias Borch (ca. 1570 - 1575), Jakob Bernardi aus Dreis, Kr. Wittlich (1639 - 1655), der auch das mit lateinischer Stiftungsinschrift versehene sog. "Pestkreuz" zu Nickenich errichten ließ (1648), und Pfarrer Joh. Georg Pitzbach aus Niederlahnstein (1676-1700).

Durch die Inkorporation der Pfarrkirche gingen alle Rechte an derselben an die Karthausse über. Der Prior des Klosters ernannte von nun an die Pfarrer, denen er ein bestimmtes Einkommen aus dem sog. Zehnt zukommen lassen mußte. Zur Zehntleistung an die Pfarrkirche waren alle Grundstücksinhaber des Pfarrbannes verpflichtet, und zwar erstreckte sich dieselbe auf alle Erzeugnisse des Bodens (Getreide-, Wein-, Kartoffelzehnt) wie auf das Vieh. Noch heute erinnert zu Nidtenich die "Zehntgasse (früher (1670) Karthäuserstraße genannt) an jenen Brauch vergangener Zeiten. Aus dem Zehnten erhielt der Pfarrer sein Gehalt, das in der Inkorporationsurkunde mit 16 Malter Korn, 12 Malter Gerste, 12 Malter Hafer, 2 Malter Bohnen und einem Fuder Wein außer dem Widdum und den Einkünften aus kirchlichen Funktionen angegeben war (1335), in der Folgezeit jedoch erhöht wurde. An den Gemeinderechten (Holzrecht, Weiderecht) hatte der Pfarrer Anteil, von gemeindlichen Lasten war er aber befreit, so z. B. von der Erhaltungspflicht der Wasserleitung und den Einquartierungslasten. Nur die Unterhaltung des Chors der Kirche war Sache der Karthause, sonst wurde die Kirche von der Gemeinde bezw. der Kirchenfabrik unterhalten. Schon sehr früh begegnet uns in Nickenich neben dem eigentlichen Pfarrer (plebanus - Leutpriester) ein Kaplan; der in der um 1350 angelegten Generalsteuerliste des Trierischen Klerus erwähnte "Vikar" wird wohl schon als solcher anzusehen sein. Die Nickenicher Kapläne verwalteten oft die Filiale Wassenach mit, wofür sie vom Pfarrer jährlich 100 Taler erhielten. Dasselbe taten einige der Nickenicher Frühmesser, wie. z. B. die Frühmesser Valerius Lanser (1611-18), Eucharius Peltzer aus Niederemmel (Mosel), der 20 Jahre lang Filialverwalter war und später wegen seines Alters und des beschwerlichen Weges, da er zur Winterzeit oft "durch den Schnee habe gehen müssen bis an die Arme", die Stelle aufgab, endlich Joh. Engel aus Gladbach bei Neuwied († 1813). Zuweilen aber wurde die Verwaltung Wassenachs auch einem Karmeliterpater aus Tönnisstein übertragen, der dafür jedoch ein Entgelt von nur 60 Talern erhielt.

Das heutige Pfarrhaus, zu dessen Unterhaltung allgemein die Gemeinde verpflichtet war, wurde 1754 errichtet, als das alte Haus, das 1569 und 1670 gründlichen Reparaturen unterzogen worden war, verfiel.

Ort

Nickenich


Kontakt

St. Arnulf Kirche
Kirchstraße
56645 Nickenich
Telefon: (0049) 2632 987055

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